Essen Neuseeland
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Essen in Neuseeland

Kiwi Kulinaria

Studenten haben in Neuseeland kaum etwas zu befürchten. Die Kriminalitätsrate ist gering, die Umwelt größtenteils unverschmutzt und das Essen einfach klasse. Auch schwierige Esser werden hier bei großer Auswahl und Vielfalt, sowie frischen Zutaten und erstklassigen Restaurants voll auf ihre Kosten kommen. Im Folgenden wird ein Einblick in den kulinarischen Werdegang Neuseelands von frühster Siedlerzeit bis heute gegeben, der die große Vielfalt des Nahrungsangebots der Gegenwart verständlich und regelrecht hungrig auf kulinarische Experimente macht.

 
 

Einwandererküche

Auch wenn Neuseeland ein geschichtlich gesehen junges Land ist, so weist das Essen der Kiwis doch sehr alte traditionelle Einflüsse auf. Die ersten Einwanderer Neuseelands waren die Polynesier, die Vorfahren der heute in Neuseeland lebenden Maori. Diese brachten im 13. Jahrhundert Gemüsesamen mit sich, die sie in Neuseeland anpflanzten. So kamen Taro und Yams auf die Insel, beides Arten der Kartoffel. Darüber hinaus stand auf der Speisekarte der Maori viel Fleisch, unter anderem große essbare Ratten, die sie ebenfalls mit sich auf die Insel brachten, sowie Hühner und Schweine. Zubereitet wurden Gemüse und Fleisch in einem so genannten hangi, der auch heute noch bei größeren Feiern und offiziellen Anlässen der Maori, aber auch für Touristen, errichtet wird. Dabei werden große, tiefe Erdlöcher gegraben, in die heiße Flusssteine gelegt werden. Auf diese wird dann das Essen gegeben, vorwiegend Gemüse wie Süßkartoffeln, Kürbis und Karotten sowie Schweine-, Lamm-, Kalbs- oder Hühnchenfleisch. Der hangi wird anschließend mit Erde bedeckt und das Essen wird solange gekocht, bis es weich ist und einen rauchigen und leicht erdigen Geschmack angenommen hat. Sollte man auf jeden Fall selber mal testen! Am besten geht das im Rahmen einer kulturellen Maori-Vorstellung, die zum Pflichtprogramm in Rotorua oder Waitangi gehört. In Wellington und anderen größeren Städten gibt es aber auch Restaurants mit Maori-Küche, die unter anderem originalen hangi anbieten.

Den Schwerpunkt auf Fleisch und Gemüse legten auch die nächsten Einwanderer, die nach Neuseeland kamen. In den 1820er bis 40er Jahren zog es vorwiegend aus ärmlichen Verhältnissen stammende Briten nach Neuseeland. Ihnen bot die Insel Platz für den Aufbau eigener Felder und Farmen, die sich aufgrund des Klimas als sehr fruchtbar erwiesen. So bestand die „settler cuisine“ auch hier vorwiegend aus frischen Gemüse, Fisch und Fleisch, das oft geröstet wurde. Dieses sehr gehaltvolle Essen findet sich auch heute noch auf vielen Speiskarten Aucklands wieder. „Fish and Chips“ und knusprige „Meat Pies“ erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Letztere werden selbst an der Tankstelle verkauft und gehören zum unabdingbaren Inventar der neuseeländischen Küche. Die Fritten mit frittiertem Fisch werden am besten klassisch am Strand genossen. Da stört es auch nicht, wenn einem der kühle Wind an der Mission Bay um die Ohren bläst, sobald man eine Tüte mit leckerem heißen Tarakihi-Fisch in köstlichem Knuspermantel in der Hand hat.

Ankunft der Asiaten – es wird fusioniert

Mit dem Goldrausch, der in den 1860ern begann, kamen weitere Immigranten nach Neuseeland; neben Australiern vor allem Chinesen, welche die Küche Neuseelands stark beeinflussten. Zusammen mit pazifischen Einflüssen entstand so durch die Verschmelzung von östlichen und westlichen Geschmacksrichtungen die „Fusion Cuisine“, für die Neuseeland heute international bekannt ist. Hierbei werden nicht nur traditionell europäische Gerichte mit asiatischen Zutaten versetzt, sondern auch völlig neue Menus und Geschmacksrichtungen kreiert. Geachtet wird vor allem auf hochwertige und frische Zutaten, wobei sich dies nicht unbedingt im Preis niederschlagen muss. Im Gegenteil. In der Ponsonby Road in Auckland City beispielsweise bekommt man in einigen Fusion Restaurants recht preiswertes Essen, das einfach köstlich schmeckt. Und auch sonst muss im Land der Kiwis gutes Essen nicht teuer sein.

Ganz besonders günstig ist es für alle Asienfans. China-Schnellrestaurants und gute indische und Thaiküche gibt es in Auckland überall, zum Beispiel in den Food Courts der Shopping Centres auf der Queen Street oder als Anbau der Asia-Supermärkte auf der K’Road. Auch wenn in den Food Courts oft eher Kantinenatmosphäre herrscht, schlägt sich dies jedoch nicht auf das Essen nieder, das durchweg als gut bewertet werden kann; zumal die Preise einfach unschlagbar günstig und die Düfte aus den Küchen von gebratenem Fleisch, Kokosmilch und Curry unglaublich anziehend sind.

Neuseelands Esskultur – mehr als nur satt werden

Die Bedeutung von Essen geht für die Neuseeländer allerdings weit über den reinen Genuss oder die schlichte Nahrungsaufnahme hinaus. Lebensmittel sind seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Rückgrat der neuseeländischen Wirtschaft geworden und sind es noch heute. Kiwifrüchte werden in alle Welt exportiert, zentraler ist jedoch der Handel mit Fleisch und Milchprodukten. Der Export dieser Lebensmittel steigt vor allem in Südostasien weiter an und ist für Neuseeland mittlerweile von größerer Bedeutung als die zuvor dominierende Wollindustrie. Das Essen erfährt in Neuseeland also eine besondere Wertschätzung. Und das schmeckt man auch. Neuseeland – ein Paradies für hungrige und geschmacksverwöhnte Studenten und Reisende.


Sina Huth